Praxis trifft nachhaltiges Bauen: Wie fühlt sich nachhaltiges Bauen wirklich an? Genau das stand im Mittelpunkt unseres Lehmbau-Workshops mit den Studierenden des Masterstudiengangs Bauingenieurwesen der Technischen Hochschule Rosenheim bei Gütter Naturbaustoffe in Wasserburg.
Nicht als Theorie im Hörsaal – sondern mit Material in der Hand, Werkzeug im Einsatz und echten Oberflächen vor Augen.

TH Rosenheim Praktischer Vortrag Gütter Naturbaustoffe
Lehmbau Workshop Vortrag
Lehmbau Workshop

Lehmbau verstehen – und anwenden

Die Teilnehmenden bringen bereits fundiertes Wissen aus Bauingenieurwesen und Holzbau mit. Umso spannender war es, den Baustoff Lehm nicht nur konstruktiv zu denken, sondern praktisch zu erleben.

Im Theorieblock vermittelte Simon Breidenbach die Grundlagen des Lehmbaus:

  • Nachhaltigkeit und ökologische Vorteile
  • Materialeigenschaften und bauphysikalische Besonderheiten
  • Normen und Regelwerke
  • Einblicke in reale Projekte

Damit war die Basis geschaffen – für das, worum es eigentlich ging: das Arbeiten mit dem Material.

In der Praxis: Lehmbau zum Anfassen

Der Lehmbau Workshop war bewusst praxisorientiert aufgebaut und orientierte sich an realen Anwendungen auf der Baustelle. Dafür haben wir Profis aus dem Handwerk eingeladen, die den Studierenden das Thema näher bringen konnten.

Trockenbau mit Lehmbauplatten

Gemeinsam mit Florian Bachmaier und Simon Breidenbach von der Firma Claytec ging es in den ersten Praxisblock:

  • Montage von Lehmbauplatten
  • Armierungstechniken
  • Verarbeitung von Fugenfüllern und Details im Trockenbau

Ein Bereich, der besonders für moderne Bauprojekte relevant ist, in denen Lehmbau systematisch integriert wird.

Arbeiten mit groben Lehmputzen

Im zweiten Praxisblock zeigten Christian Kurz und Simon Breidenbach den Umgang mit grobkörnigen Lehmputzsystemen. Dabei ging es nicht nur um die reine Verarbeitung, sondern vor allem um ein tieferes Verständnis für das Material selbst. Die Studierenden konnten erleben, wie sich unterschiedliche Mischungen verhalten, wie sie aufgetragen werden und welche Rolle Struktur und Körnung für das spätere Erscheinungsbild spielen. Durch das eigenständige Arbeiten an Musterflächen wurde schnell deutlich, wie vielseitig Lehm einsetzbar ist und wie stark das Ergebnis von Technik, Erfahrung und Materialkenntnis abhängt.

Feine Oberflächen & Gestaltungsmöglichkeiten

Im dritten Praxisblock ging es um das Finish – und damit um die gestalterische Qualität von Lehm.

Gemeinsam mit Florian Epple vom Farbhaus Malerhandwerk wurden verschiedene Techniken umgesetzt:

  • YOSIMA Lehm-Designputz
  • Sumpfkalk
  • Lehmanstriche

Neben der reinen Verarbeitung rückte hier vor allem die Wirkung der Oberflächen in den Fokus: Wie verändern Struktur, Farbigkeit und Materialtiefe die Atmosphäre eines Raumes? Florian Epple zeigte dabei praxisnah, worauf es bei der Umsetzung wirklich ankommt – von der richtigen Vorbereitung über den Auftrag bis hin zu feinen gestalterischen Details, die am Ende den Unterschied machen. Besonders deutlich wurde, wie viel handwerkliches Gespür und Erfahrung in hochwertigen Oberflächen steckt und welches gestalterische Potenzial in natürlichen Materialien wie Lehm und Kalk liegt.

Nachhaltiges Bauen braucht Zusammenarbeit

Ein besonderer Mehrwert des Workshops war die Zusammenarbeit unterschiedlicher Gewerke:
Planung, Handwerk und Materialkompetenz kamen hier direkt zusammen.

Genau diese Schnittstellen sind entscheidend, wenn nachhaltige Baustoffe wie Lehm erfolgreich in moderne Bauprojekte integriert werden sollen.

Ziel: Theorie und Praxis verbinden. Der Workshop hatte das klare Ziel, theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung zu verknüpfen und den Studierenden ein echtes Gefühl für den Baustoff Lehm zu vermitteln. Neben den Grundlagen stand vor allem im Fokus, die Anwendungsmöglichkeiten im architektonischen Kontext greifbar zu machen und ein Verständnis für die gestalterische und funktionale Bandbreite des Materials zu entwickeln. Durch die direkte Umsetzung konnten die Teilnehmenden ihre bisherigen Kenntnisse aus dem Studium erweitern und lernen, wie sich Lehm sinnvoll in zukünftige Projekte integrieren lässt.

Am Ende des Tages blieb vor allem eines: ein deutlich erweitertes Verständnis für Lehm als Baustoff und viele praktische Erfahrungen, die über die Theorie hinausgehen. Der direkte Umgang mit dem Material, der Austausch mit erfahrenen Fachleuten und das Arbeiten an eigenen Musterflächen haben gezeigt, wie wichtig solche Formate für die Ausbildung sind. Für alle Beteiligten wurde klar, dass nachhaltiges Bauen nicht nur vom Wissen lebt, sondern vom Erleben – und genau das macht den Unterschied.

Lehmbau Workshop Spachtel
Vortrag Workshop Arbeiten mit Lehm